"Besser:Zukunft"-Tagung: Betriebsräte geben Antworten auf Beschäftigungsrisiken!



Kollegialer Austausch über Produktionssysteme und Personalkonzepte am 02.12.2009
 

Möglichst ohne Beschäftigungs- und Einkommensverluste durch die Krise kommen und gleichzeitig das Unternehmen für die Zukunft richtig aufstellen – das erwarten Betriebsräte und Beschäftigte von ihren Unternehmensleitungen. Gleichzeitig stellen Betriebsräte fest, dass der Druck auf die Fragen: wie das zukünftige Produktionssystem aussieht und unter welchen Bedingungen Beschäftigung stattfindet, wächst. Hier und da werden betriebliche Abläufe verändert und neue Regelungen zur Arbeitsweise getroffen. Es gibt Befürchtungen und auch erste Anzeichen dafür, dass die Beschäftigung von Leiharbeitnehmern zukünftig ein wesentlicher Bestandteil der strategischen Personalplanung sein wird und prekäre Beschäftigung sich weiterhin auf dem Vormarsch befindet.

Um diese Phänomene zu diskutieren, Gegenkonzepte zu entwickeln und Alternativen aufzuzeigen haben Betriebsräte die beiden Themen zum Gegenstand des Austausches mit anderen Betriebsräten gemacht.

Neue Veranstaltungsform fördert den Erfahrungsaustausch zwischen Betriebsräten und findet breite Akzeptanz

Der Austausch und die Diskussion über zukünftige Produktionssysteme zeigen, dass das Thema im Betrieb nicht als solches auftaucht, sondern vereinzelte Änderungen im betrieblichen Ablauf stattfinden, Arbeitsplätze umgestaltet oder auch Methoden und Regeln für Abläufe neu beschrieben werden. Die Erscheinungsform ist dabei sehr unterschiedlich und vielfältig. Für Betriebsräte geht es darum, einzuschätzen welche Risiken und Chancen mit der Einführung eines neuen Produktionssystems oder einzelner Elemente daraus verbunden sind. Die Erfahrungen der Betriebsräte zeigen, dass die Mitgestaltung und die Abschätzung der Wirkungen auf die Beschäftigung alles andere als einfach ist, Betriebsräte aber gut beraten sind sich von Anfang an in den Prozess einzuschalten, um sicher zu stellen, dass die Veränderungen am Produktionssystem Beschäftigung sichern und nicht kosten.

Die Fragen welche Rolle Leiharbeit in der zukünftigen Personalplanung spielt und wie sich Beschäftigungsformen ändern standen im Mittelpunkt des zweiten Erfahrungsaustausches: Die Befürchtungen, dass Leiharbeit und prekäre Beschäftigung nach der Krise verstärkt werden, wurde von allen Teilnehmenden geäußert. In der Diskussion wurden Handlungsmöglichkeiten von Betriebsräten erörtert sowie acht Fallen der Leiharbeit kritisch unter die Lupe genommen. Die Fallen, über die Unternehmen durch Leiharbeit stolpern können, haben die Diskussion strukturiert und belastungsfähige Ansätze sowie Ideen für mögliche Prüfsteine bzw. Gegenargumente geliefert. Im Nachgang zu dem Erfahrungsaustausch wollen sich die Teilnehmenden zu Beginn des Jahres 2010 treffen, um die Kosten von Leiharbeit anhand eines konkreten Beispiels detailliert aufzuschlüsseln.

Kollegiale Beratung – eine lösungsorientierte Methode, die zur Nachahmung anregt

Um sicher zu stellen, dass die Themen ganz nah an den realen Problemen und Fragestellungen in den Betrieben dran sind, haben sich zwei Betriebsräte kollegial zu ihren individuellen Problemen beim Produktionssystem und beim Einsatz von Leiharbeitnehmern beraten lassen. Die Rückmeldungen zeigen, dass die Betriebsräte mit Unterstützung der Berater/innen ihrer Problemlösung ein ganzes Stück näher gekommen sind. Aber nicht nur das – auch die Berater/innen waren angetan von der Methode, denn sie konnten ihre eigenen Erfahrungen reflektieren und haben ihrerseits auch Anregungen und Ideen für eigene Fragestellung erhalten.
Es gab sogar Betriebsräte, die die kollegiale Beratung zukünftig in ihren Gremien erproben wol-len. Um die Methode bei einem breiten Personenkreis innerhalb der IG Metall bekannt zu machen, zur Anwendung der kollegialen Beratung anzuregen und Hilfestellungen im Umgang mit der Methode zu geben, wurde verabredet im kommenden Jahr eine Handlungshilfe zur kollegialen Beratung zu entwickeln.

Weiter Informationen zur Veranstaltung:

Birgit Timmer, 0231 / 98 12 85 12

 
 



 • Handlungshilfe "Produktionssysteme mit Alternativen"
 • Präsentation "Burn out – früh löschen"
 • Betriebsräte Beteiligungscheck - Gemeinsam mehr erreichen
 • Handlungshilfe "Finanzinvestoren entzaubern"
 • Unternehmensberatung von KMU aus gewerkschaftlicher Sicht
 • Erfahrungsaustausch in der Schalterindustrie
 • Standards einer "besser - Beratung"


"Ein Stopp-Signal des Betriebsrates ist die Basis für unseren heutigen Erfolg. Wir haben nach anderen Lösungen gesucht als Arbeitszeitverlängerungen"
Werner Scherer, Deutz AG in Köln

"Für uns sind zwei Dinge entscheidend gewesen: Als Bergbauzulieferer auch auf neue Märkte zu kommen und einen permanenten Verbesserungsprozess in Gang zu halten"
Heinrich Denniger, Eickhoff Bochum

"Wir wollen beweisen, dass wir besser sein können, wenn man uns lässt."
Andreas Wendland, Flender AG


Mit finanzieller Unterstützung durch den Europäischen Sozialfond und das Land Nordrhein-Westfalen