Betriebliche Wettbewerbsfähigkeit und Zukunftsfähigkeit in der Automobilzulieferindustrie



Dialogveranstaltung für Betriebsräte am 8.12.2005 in Dortmund
 

Zu Beginn der Veranstaltung stellte IG Metall-Bezirksleiter Detlev Wetzel die Modernisierungskampagne „besser statt billiger“ vor. Er verdeutlichte die Sicht der IG Metall NRW, dass ein Wettlauf allein um die niedrigsten Produktpreise einen mittel- und langfristigen Markterfolg nicht zulässt. Vielmehr muss in Innovationen, Ausbildung und Qualifizierungsmaßnahmen, sowie eine möglichst hohe Produktqualität investiert werden.

Nikolaus Schmidt vom IG Metall Vorstand aus Frankfurt gab dann einen Überblick über die aktuelle Lage und die Branchentrends der Automobilzulieferer. Neben einer in der Summe positiven Beschäftigungsentwicklung in den letzten Jahren prognostizierte er für die nächsten Jahre eine weiter zunehmende Verlagerung von Fertigungskapazitäten von den Automobilzulieferern zu den -herstellern.

Forum „Qualifizierung“

Im ersten Forum berichtete zunächst Bruno Sperling, Betriebsratsvorsitzender der GKN Driveline aus Lohmar, aus seinem Unternehmen.  Die GKN Driveline entwickelt und testet Kurbelwellen für die Automobilindustrie, die dann in anderen Konzerntöchtern produziert werden. So handelt es sich zwar nicht um ein typisches produzierendes Unternehmen, die meisten der Anregungen wären aber problemlos auch auf andere Unternehmen übertragbar.

Vor allem der umfangreiche Weiterbildungskatalog mit beeindruckendem Seminarangebot rief staunende Gesichter bei den beteiligten Betriebsräte hervor. Das Bewusstsein, dass ein High-Tech-Konzern wie GKN nur mit hochqualifiziertem Personal langfristig überleben kann, hat dazu geführt, dass die Geschäftsführung die Personalentwicklung als zentrale Führungsaufgabe versteht und Zusagen zu Qualifizierungsmaßnahmen nicht nur als bloße Lippenbekenntnisse gibt. Besonders viel hier auf, dass beispielsweise darauf geachtet wird, dass auch Sekretärinnen über aktuelle Produktkenntnisse verfügen, um in Kundentelefonaten auch einen kompetenten Eindruck zu hinterlassen. Ungewöhnlich auch, dass auch die über 50-Jährigen problemlos Fortbildungen genehmigt bekommen, und ihre Kompetenz geschätzt und benutzt wird, um jüngere Kollegen an ihre Aufgaben heranzuführen. Gleichzeitig wird so das Unternehmenswissen um die weitergegebenen Erfahrungen bereichert.

Das zweite betriebliche Beispiel kam von der Stromag AG aus Unna, die Kupplungen für Maschinen mit großer Kraftübertragung, die in  Windkraftanlagen, im Schiffsbau oder bei Theaterbühnen benötigt werden, so wie Endschalter produziert. Der Betriebsratsvorsitzende Ralf Göke berichtete von einer erfolgreichen Einführung von Gruppenarbeit und welche Rolle dabei Schulungsmaßnahmen gespielt haben.

Zunächst einmal ließ sich das Betriebsratsgremium komplett schulen, um dem Thema gewachsen zu sein und den Einführungsprozess mitgestalten zu können. Dann ging der Betriebsrat auf die Geschäftsführung zu, die schon einmal mit einem Einführungsversuch gescheitert war und schlug einen erneuten Anlauf vor. Beteiligungsorientiert und mit externer Unterstützung wurde inzwischen in den meisten Abteilungen die Gruppenarbeit erfolgreich eingeführt. Bemerkenswert ist dabei, wie viel Wert darauf gelegt wurde, dass viele Beschäftigte Kompetenzen in den Bereichen Moderation, Kommunikation und Konfliktmanagement erlangen. Bislang ist das Projekt ein voller Erfolg. Die Gruppenarbeit funktioniert, die Produktivität konnte gesteigert werden und Stromag hat sich von einem Unternehmen in einer schwierigen Situation zum profitablen Marktführer heraufgearbeitet.

Die Betonung aller beteiligten Betriebsräte dieses Forums, wie wichtig das Thema Qualifizierung für die Sicherung der hiesigen Standorte ist, war eine Bestärkung für die Bestrebungen der IG Metall NRW,  Maßnahmen zur betrieblichen Umsetzung in diesem Bereich in den im Frühling 2006 verhandelten Tarifvertrag für die Metall- und Elektroindustrie mit aufzunehmen.

Forum „Internationale Konkurrenz“

Im zweitenn Forum drehte sich die Diskussion um verschiedene Szenarien von Produktionsverlagerungen, vor allem ins Ausland. Zum einen wurde die Förderpolitik der EU vor allem für östliche Mitgliedsstaaten bemängelt. Förderungen, die beispielsweise in die dortige Infrastruktur fließen, werden z. T. als Steuervorteile oder unterpreisige Grundstücke deutschen Unternehmen bei Neuansiedlung einer Produktionsstätte angeboten. So wird der Wettbewerb verzerrt, wurde bemängelt.

Die IG Metall NRW hat mit dem DGB gemeinsam Termine mit Betriebsräten und dem zuständigen EU-Kommissar Verheugen in Brüssel und Düsseldorf organisiert, in denen die EU aus erster Hand einen Einblick in die betriebliche Wirklichkeit der deutschen Standorte erhielt. Diese politische Initiative, die später Fortsetzung in Gesprächen in Berlin fand, hatte zur Folge, dass im Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung ein Passus steht, dass es nach Auffassung der Bundesregierung Förderung neuer Industriestandorte innerhalb der EU nur geben darf, wenn neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Eine Förderung im Falle einer Arbeitsplatzverlagerung soll nicht möglich sein.

Ein zweiter Schwerpunkt des Forums betraf die Unsicherheit der Betriebsräte in  der Beurteilung von Konzepten und Kostenvergleichungen der Geschäftsführungen. Da die IG Metall in Nordrhein Westfalen diese Problematik auch aus anderen Branchen kennt, wurde im Rahmen des Projektes „Arbeit durch Innovation“ eine Handlungshilfe in Auftrag gegeben, die nun von der MA&T GmbH, der TBS in NRW, dem Projektteam und nicht zuletzt mit interessierten Betriebsräten entwickelt wird.

Forum „Verhältnis Automobilhersteller Automobilzulieferer"

Das dritte Forum brachte vor allem eine neue Möglichkeit zu Kommunikation. Bislang hatten sich Betriebsräte aus diesen Bereichen eher aus der Ferne misstrauisch betrachtet. Nun wurde einmal ohne Scheu diskutiert. Die Zwänge der verschiedenen Unternehmen wurden durch die direkte Schilderungen der Betriebsräte für alle deutlich und nachvollziebarer. Alle Beteiligten waren sich einig, dass der Dialog fortgesetzt werden muss.

 

Weiter unten stehen die Präsentationen der Veranstaltung zum Download bereit.

 

Achim Gehrke

 

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Download: Weiterbildung GKN

Download: TBS_Qualifizierung

 



 • Handlungshilfe "Produktionssysteme mit Alternativen"
 • Präsentation "Burn out – früh löschen"
 • Betriebsräte Beteiligungscheck - Gemeinsam mehr erreichen
 • Handlungshilfe "Finanzinvestoren entzaubern"
 • Unternehmensberatung von KMU aus gewerkschaftlicher Sicht
 • Erfahrungsaustausch in der Schalterindustrie
 • Standards einer "besser - Beratung"


"Wir wollen beweisen, dass wir besser sein können, wenn man uns lässt."
Andreas Wendland, Flender AG

"Ein Stopp-Signal des Betriebsrates ist die Basis für unseren heutigen Erfolg. Wir haben nach anderen Lösungen gesucht als Arbeitszeitverlängerungen"
Werner Scherer, Deutz AG in Köln

"Für uns sind zwei Dinge entscheidend gewesen: Als Bergbauzulieferer auch auf neue Märkte zu kommen und einen permanenten Verbesserungsprozess in Gang zu halten"
Heinrich Denniger, Eickhoff Bochum


Mit finanzieller Unterstützung durch den Europäischen Sozialfond und das Land Nordrhein-Westfalen