?Zukunftsvision Maschinenbau: Produktion ohne Fertigung?"



Dialogveranstaltung am 30.11.2006 bei der Firma Eickhoff in Bochum
 

Fertigung im Maschinenbau
Die Dialogveranstaltung sollte an die branchenbezogenen Betriebsräte-Veranstaltungen im Rahmen von Multimedia im Maschinenbau anknüpfen. Seinerzeit standen noch die Entwicklungen rund um den Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien im Vordergrund. Für den 30.11.2005 haben wir auf Wunsch vieler Betriebsräte die Zukunft der Fertigung im Maschinenbau diskutiert.

Die Bedeutung dieses Themas zeigt sich insbesondere im Zusammenhang mit aktuellen Tarifauseinandersetzungen in Betrieben. Viele Unternehmen haben schwierige Umfeldbedingungen, seien es die schwache Binnenkonjunktur, der schlechte Dollarkurs, Konkurrenten aus dem Ausland, zunehmende Preiskonkurrenz oder die Verhandlungsmacht der Kunden. In fast allen Fällen wird der so entstehende Druck in den Betrieb weitergeleitet. In der Fertigung/Produktion ist die Arbeitsleistung am ehesten meßbar, so dass sich die betroffenen KollegInnen direkten Vergleichen mit vermeintlich billigerer Konkurrenz ausgesetzt sehen, dem sie zunächst machtlos gegenüberstehen.

Was also macht man in solchen Situationen als Betriebsrat? Vor dieser Frage standen auch die drei Betriebsräte, die uns am 30.11.2005 ihre Ideen und Lösungsansätze geschildert haben. Im Kern sprechen die Vorträge während der Veranstaltung und auch die dieser Dokumentation beigefügten Präsentationen für sich. Dennoch gibt es ein paar Gemeinsamkeiten in der Vorgehensweise der drei Betriebsräte:

  • Alle drei Betriebsräte glauben der von der Unternehmensleitung vorgetragenen Notwendigkeit zu Einschnitten in den Tarif, ihrem Konzept und Lösungsansätzen nicht ohne weiteres. Sie prüfen Konzepte des Arbeitgebers - nach § 80 (3) BetrVG auch mit Hilfe externer Unterstützung.
  • Gemeinsam mit betrieblichen und externen Experten versuchen sie systematisch Kostensenkungspotenziale zu identifizieren, die jenseits des Kostenblockes Personalkosten zu suchen sind. Sie versuchen, diese in Potenziale in EURO zu benennen.
  • Sie entwickeln wiederum gemeinsam mit betrieblichen und externen Experten eine Art Gegenkonzept, eine Gegenrechnung, die sie der Unternehmensleitung vorlegen.
  • So entwicklen die Betriebsräte Gegendruck. Es wird nicht mehr über das Konzept der Geschäftsführung, sondern über beide Lösungsansätze im Vergleich gesprochen. Die Geschäftsführung kommt in Argumentationsnot.

Diese Entwicklungen waren in allen Betrieben zu beobachten. Natürlich sind die Ergebnisse der dann zu führenden Verhandlungen auch noch in den Kontext der jeweils konkreten betrieblichen Situation zu stellen.

Die Praxisbeispiele
Bei Atlas Copco Energas gab es keine konkrete Krise des Unternehmens. Den Hintergrund für die Situation des Betriebsrates bildete vielmehr eine aus Sicht der Unternehmensleitung zu geringe Umsatzrendite, die Frage nach dem Kerngeschäft (Mechanische Fertigung, Montage) sowie eine Überprüfung von Auslagerungs- oder Verlagerungsmöglickeiten bestimmter Bereiche. Durch seine Initiative konnte der Betriebsrat wesentliche Kernforderungen abwehren und die mechanische Fertigung am Standort halten. Vor allem die konsequente Beteiligung der Belegschaft war hier ein wesentlicher Erfolgsfaktor.

Bei Siempelkamp gab es das im Anlagenbau wichtige Thema der Finanzierungssicherheit und Kreditwürdigkeit - häufig müssen dort Projekte und Rohstoffe vorfinanziert werden. Die Liquiditätsprobleme im jahr 2004 setzten den Betriebsrat unter enormen Druck, Einschnitten in tariflichen regelungen und betriebsbedingten Kündigungen zuzustimmen. Durch ein selbsterstelltes Fertigunskonzept und die Nutzung vielfältiger betrieblicher Informationsquellen konnte der Betriebsrat verhindern, sich am Konzept der geschäftsführung abzuarbeiten und stattdessen die eigenen Vorschläge zu thematisieren. Am Ende gelang es, betriebsbedingte Kündigungen zu verhindern. Aktuell können bei guter Auftragslage die Projekte profitabel bearbeitet werden. Nun gilt es, die Ende 2004 vereinbarten Verbesserungsprojekte auch wirklich umzusetzen.

Bei Deutz befindet sich der Betriebsrat nunmehr nach eigenem Empfinden in der dritten Phase. 1998 hatte sich der Betriebsrat in einer existenzgefährdenden Situation für das Unternehmen auf die Forderungen der Unternehmensleitung noch eingelassen: Gehaltsverzicht und Flexibilisierung der Arbeitszeit. Ende 2000 fordert der Arbeitgeber eine Verlängerung des Vertrages. Der Betriebsrat wehrt mit dem Hinweis auf nicht genutzte Chancen in den letzten Jahren ab. Der Betriebsrat hat aus dieser Situation gelernt und will nun vorausschauend handeln. Weil er aus Gesprächen mit der Geschäftsführung befürchtet, dass die künftigen technologischen Entwicklungen nicht ausreichend in der Produktentwicklung berücksichtigt werden. Erste Erfolge zeichnen sich ab, der faire Vergleich der Eigenfertigung mit Konkurrenten fiel positiv aus. 1000 Arbeitsplätze sind gesichert. Und die Belegschaft fordert: Weiter auf diesem Weg!

Was tun wir nun?
In der abschließenden Diskussion gab es einige Bestätigung für den eingeschlagenen Weg, Betriebsräte aus Branchenzusammenhängen zusammenzuholen und gemeinsam über Themen zu diskutieren, Betriebe und Praxisbeispiele anzuschauen. Ein Betriebsrat wollte dies gerne auch für seinen speziellen Bereich umgesetzt sehen (Mitbewerbertreffen). Der Bezirk NRW versucht, auf politischer Ebene die EU-Subventionierung von Verlagerungen ins EU-Ausland zu problematisieren. Dies könnte auch Thema einer Branchenerklärung und eines Mitgliederinfos sein.

Einige andere Betriebsräte haben die Anregung eingebracht, eine solche Vorgehensweise, wie sie die Betriebsräte von Atlas Copco, Siempelkamp und Deutz vorgetragen haben nämlich „besser statt billiger in Excel umsetzen“ einmal in einem ausführlichen Seminar zu behandeln. Diesen Vorschlag werden wir aufgreifen und eine Handlungshilfe zum Tehma erstellen. Wer an Tests dieser Handlungshilfe Interesse hat und Anregungen an uns weitergeben möchte, schickt mir bitte eine kurze Mail.

Kontakt:

Achim Gehrke
Tel.: 0211 – 45484 152 

 

Die Präsentationen zu Veranstaltung stehen bei den betrieblichen Beispielen der Branche zum Download bereit.

 
 



 • Handlungshilfe "Produktionssysteme mit Alternativen"
 • Präsentation "Burn out – früh löschen"
 • Betriebsräte Beteiligungscheck - Gemeinsam mehr erreichen
 • Handlungshilfe "Finanzinvestoren entzaubern"
 • Unternehmensberatung von KMU aus gewerkschaftlicher Sicht
 • Erfahrungsaustausch in der Schalterindustrie
 • Standards einer "besser - Beratung"


"Wir wollen beweisen, dass wir besser sein können, wenn man uns lässt."
Andreas Wendland, Flender AG

"Ein Stopp-Signal des Betriebsrates ist die Basis für unseren heutigen Erfolg. Wir haben nach anderen Lösungen gesucht als Arbeitszeitverlängerungen"
Werner Scherer, Deutz AG in Köln

"Für uns sind zwei Dinge entscheidend gewesen: Als Bergbauzulieferer auch auf neue Märkte zu kommen und einen permanenten Verbesserungsprozess in Gang zu halten"
Heinrich Denniger, Eickhoff Bochum


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