Nachhaltige Produktionskonzepte



Dialogveranstaltung Maschinenbau bei Deutz am 6. Juni 2007
 

An den Diskussionen über sog. Produktionskonzepte lassen sich auch verschiedene Phasen von Managementmoden ablesen. Die interessierte (Fach-) Öffentlichkeit diskutiert angeregt über Lean Management, die Fraktale Fabrik und das Toyota-Produktionsmodell. Elemente solcher Konzepte sind beispielsweise neue Prinzipien der Arbeitsorganisation, ein innovatives Qualitätsmanagement oder die Neugestaltung der Wertschöpfungskette. Meist dauert es nicht allzu lang bis die neuen Management-Konzepte in den Unternehmen ankommen. Je nach Thematik geschieht dies häufig nicht gerade zur Freude der Beschäftigten, die um ihre Arbeitsplätze fürchten.

 

Die Veranstaltung hat gezeigt, dass die Produktionskonzepte nachhaltiger ausfallen, wenn Betriebsräte sich in die Diskussion einmischen. So wurde deutlich, dass es mindestens noch zwei weitere Konzepte gibt, nämlich das Deutz Produktionssystem und die nachhaltige Produktionsstrategie von WILO in Dortmund. Beide Unternehmen gehören zu den großen Maschinenbauunternehmen. Beide Unternehmen, seien es die Motoren bei Deutz oder die Pumpen von Wilo, produzieren sowohl in großen Serien als auch Sonderanfertigungen. Wie kann es also unter diesen Voraussetzungen in nicht gerade einfachen Märkten gelingen, erfolgreich zu sein?

 

Deutz hat nach sehr wechselvollen Jahren seine Erfolgsspur gefunden. Eine zentrale Frage war dabei zu beantworten: Was ist die Kernkompetenz des Unternehmens? Das Unternehmen hat sich im Zuge einer Neuausrichtung sehr genau angeschaut, welche Variantenvielfalt tatsächlich nötig ist und welche Prozesse zu deren Herstellung im Hause bleiben müssen. Herausgekommen ist u.a. ein Entscheidungsbaum für Make-or-Buy-Entscheidungen, an dem der Betriebsrat maßgeblich mitgewirkt hat. Demnach stehen bei Make-or-Buy-Entscheidungen nicht zuerst die Kosten im Fokus der Diskussionen, sondern strategischen Fragen wie z.B.: Gehört der Bereich zu unserer Kernkompetenz, weil wir von Kunden genau für diese Leistung bezahlt werden? Deutz setzt auch insgesamt auf Kompetenz: Das bedeutet eine hohe Facharbeiterquote (90%), moderne Produktionsmittel und stetige Weiterentwicklung.  

 

Wilo verzeichnet seit 10 Jahren ununterbrochen neue Umsatz- und Gewinnrekorde. Bei Wilo setzt man auf organisches Wachstum und verfolgt eine nachhaltige Produktionsstrategie: Diese wird durch soziale und ökologische Leitlinien unterfüttert. Eine wesentliche Weiche hat das Unternehmen vor ca. 15 Jahren gestellt: Damals wurde prognostiziert, dass in Zukunft über 50% einer Pumpe aus Elektronik bestehen würde. Also hat sich das Unternehmen entschlossen - der Betriebsrat hat sich maßgeblich dafür eingesetzt - die Elektronik für die Motoren-Fertigung in Zukunft wieder selbst zu bauen. Insourcing ist eine Strategie bei Wilo, die sich auch daraus ergibt, dass im Unternehmen jeder als Lieferant gilt. Da wird Qualität gut sichtbar.

 

Axel Hoeschen vom Werkzeugmaschinenlabor der RWTH Aachen wies auf Möglichkeiten für Mittelständler hin, Variantenvielfalt, also Komplexität mit Termindruck in Einklang zu bringen. Qualität ist seiner Meinung nach kein wirkliches Differenzierungsmerkmal mehr - Lieferzeiten hingegen sehr wohl. Untersuchungen des WZL zeigen, dass diese einen positiven Effekt auf die Umsatzrendite haben. Dies bedeute auch eine Abkehr von einer reinen Kostenfokussierung, wenn das Unternehmen als Qualitätsführer agiert. Wichtigste Voraussetzung: Menschen statt Maschinen auslasten und ihre Qualifikationen und Kompetenzen richtig nutzen. Kernpunkte des vom WZL favorisierten Lean Production sind daher u.a. Vermeidung von Verschwendung, Dezentrale Steuerung und Mehrmaschinenbedienung. 

 

Die vielfach aufgenommenen Diskussionspfade werden an einigen Stellen weiter verfolgt. Beispielsweise das Thema Outsourcing. Hierzu arbeitet die IG Metall in einem Forschungsprojekt mit Betriebsräten und Wissenschaftlern an neuen Handlungsansätzen für Betriebsräte.

 

Die lebhafte Diskussion setzte sich dann auch noch eine Weile im Nachgang zu der Veranstaltung fort.

 

Inger Korflür

 

 

 

Download: Vortrag Produktionssysteme im Mittelstand

 



 • Handlungshilfe "Produktionssysteme mit Alternativen"
 • Präsentation "Burn out – früh löschen"
 • Betriebsräte Beteiligungscheck - Gemeinsam mehr erreichen
 • Handlungshilfe "Finanzinvestoren entzaubern"
 • Unternehmensberatung von KMU aus gewerkschaftlicher Sicht
 • Erfahrungsaustausch in der Schalterindustrie
 • Standards einer "besser - Beratung"


"Für uns sind zwei Dinge entscheidend gewesen: Als Bergbauzulieferer auch auf neue Märkte zu kommen und einen permanenten Verbesserungsprozess in Gang zu halten"
Heinrich Denniger, Eickhoff Bochum

"Ein Stopp-Signal des Betriebsrates ist die Basis für unseren heutigen Erfolg. Wir haben nach anderen Lösungen gesucht als Arbeitszeitverlängerungen"
Werner Scherer, Deutz AG in Köln

"Wir wollen beweisen, dass wir besser sein können, wenn man uns lässt."
Andreas Wendland, Flender AG


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