"Angst vor Standortschließung hat hier keiner mehr"



Der Betriebsrat von Linnemann Schnetzer in Ahlen hilft, 200 Arbeitsplätze zu sichern
 

Auf Initiative des Betriebsrates und der örtlichen IG Metall wurden gemeinsam mit der Geschäftsführung der Geschäftsführung über 200 Arbeitsplätze in Ahlen gesichert.

Marode und dunkle Produktionshallen sieht man nicht mehr bei Linnemann Schnetzer in Ahlen. Auch der hohe Krankenstand und die schlechte Stimmung in der Belegschaft sind nun keine Themen mehr. Belegschaft, Betriebsrat und IG Metall stießen gemeinsam einen nachhaltigen Verbesserungsprozess an.

Die Linnemann Schnetzer GmbH & Co. mit weiteren Standorten in Frankreich und Ungarn gilt als ausgewiesener Spezialist für Druckbehälter aus Stahl und Aluminium für die Nutzfahrzeugindustrie. Als Konzerntochter der Frauenthal Group geriet der Standort unter Druck, als es hieß, der schlechteste Produktionsstandort würde geschlossen. Überkapazitäten und Wettbewerbsschwächen in der gesamten Branche führten zu dem Entschluss der Konzernleitung.

Personalkosten sind nicht alles!

Der Betriebsratsvorsitzende Artur Reichelt und die zuständige IG Metall Bevollmächtigte Beate Kautzmann konnten es schon lang nicht mehr hören, dass der eigene Standort zu teuer sei. Gemeinsam gingen sie auf die Geschäftsführung zu und stießen dort auf offene Ohren. In einer Belegschaftsversammlung schwor man gemeinsam die Belegschaft auf den neuen Weg ein: Mit der Teilnahme am von der EU und dem Land NRW geförderten Projekt „Beschäftigungsfähigkeit im Betrieb“ nutzte man die Fachkompetenz der Technischen Beratungsstelle NRW (TBS), die nun den Verbesserungsprozess begleitete.

„Wichtig bei solch einem Vorhaben ist vor allem, die gesamte Belegschaft zum Mitmachen zu bewegen und das erreicht man durch Beteiligung der Betroffenen am Verbesserungsprozess“, so Artur Reichelt. Einzelinterviews und Schichtkonferenzen, in vielen Gesprächen wurde dafür gesorgt, dass alle relevanten Vorschläge aufgenommen und bewertet wurden. Der Schwerpunkt lag hierbei auf der Verbesserung der Produktionsprozesse bzw. der Optimierung des Materialflusses. Gerade dadurch, dass die Beschäftigten ihre Vorschläge in den neuen Konzepten wieder fanden, wurde die geforderte Beteiligung der Belegschaft erreicht, was dazu führte, dass die Motivation groß war die entwickelten Maßnahmen auch umzusetzen.

Qualifizierung Arbeiten

Ein weiterer Schwerpunkt war die Qualifizierung. Systematisch wurde mit Hilfe der TBS eine Qualifikationsbedarfsanalyse durchgeführt um einen zielgenauen Weiterbildungsplan zu entwickeln. Durch die Maßnahmen konnten die Beschäftigten nun flexibler und selbstständiger arbeiten was zu einer deutlichen Verringerung der Stillstandszeiten führte.

Nach ersten Erfolgen stockt 2005/2006 die Umsetzung der beschlossenen Maßnahmen, so wie die Neuentwicklung von Verbesserungsvorschlägen. Wie so oft lähmt das Tagesgeschäft die nachhaltige Erneuerung. Wieder ist es der Betriebsrat, der dies nicht nur bemerkt sondern auch gemeinsam mit der IG Metall tätig wird. Artur Reichelt: „Anfang 2007 starten wir mit Workshops und externer Beratung (S & H) einen Neuanfang. Unser Standort ist nach wie vor gefährdet, wir können uns nicht ausruhen.“ Die Geschäftsführung hatte wie schon zuvor ausdrücklich das Engagement des Betriebsrates begrüßt, so dass man nun zuversichtlich ist, sich am Standort Ahlen langfristig im schwer umkämpften Markt der Automobilzulieferer behaupten zu können. 

 

Achim Gehrke

 

 

 

 
 



 • Handlungshilfe "Produktionssysteme mit Alternativen"
 • Präsentation "Burn out – früh löschen"
 • Betriebsräte Beteiligungscheck - Gemeinsam mehr erreichen
 • Handlungshilfe "Finanzinvestoren entzaubern"
 • Unternehmensberatung von KMU aus gewerkschaftlicher Sicht
 • Erfahrungsaustausch in der Schalterindustrie
 • Standards einer "besser - Beratung"


"Wir wollen beweisen, dass wir besser sein können, wenn man uns lässt."
Andreas Wendland, Flender AG

"Ein Stopp-Signal des Betriebsrates ist die Basis für unseren heutigen Erfolg. Wir haben nach anderen Lösungen gesucht als Arbeitszeitverlängerungen"
Werner Scherer, Deutz AG in Köln

"Für uns sind zwei Dinge entscheidend gewesen: Als Bergbauzulieferer auch auf neue Märkte zu kommen und einen permanenten Verbesserungsprozess in Gang zu halten"
Heinrich Denniger, Eickhoff Bochum


Mit finanzieller Unterstützung durch den Europäischen Sozialfond und das Land Nordrhein-Westfalen