Betriebsrat startet Initiative zur Einführung von Gruppenarbeit



Betriebsrat und Geschäftsführung verbessern nun gemeinsam
 

Unternehmen
Die Stromag AG in Unna baut Kupplungen für verschiedenste Anwendungen wie Schiffsbau, Land- und Baumaschinen, Abraumbagger oder Theatertechnik. Zur Zeit sind am Standort Unna 429 Mitarbeiter beschäftigt. Ralf Göke vertritt seit drei Jahren die Interessen der Belegschaft als Betriebsratsvorsitzender.

Ausgangslage
Bereits 1994 unternahm die Stromag AG den ersten Versuch, Gruppenarbeit in die Produktion einzuführen. Damals war die Geschäftsführung noch der Meinung, dies allein, also ohne den Betriebsrat tun zu können. Aus verschiedenen Gründen klappte die damalige Einführung nicht.
Die Losgrößen sanken im weiteren Verlauf der 90er Jahre immer weiter, der Trend weg vom Serienproduzenten hin zum Sonderfertiger war schon damals erkennbar. In der zweiten Hälfte der 90er Jahre wurde das wirtschaftliche Ergebnis immer schlechter. Der Betriebsrat erkannte, dass die damalige Bezahlung nach Akkord den Gegebenheiten nicht mehr gerecht wurde.

Verbesserungsprozess
Der Betriebsrat begann sich über Gruppenarbeit zu informieren und schulte dann nach und nach die Betriebsratsmitglieder in Gruppenarbeit, Arbeitsorganisation, Entlohnungssystemen und Gesprächsführung. Gespräche mit der Geschäftsführung hatten als Resultat den Entschluss zu einem gemeinsamen Vorgehen.

Ein Fraunhofer Institut aus Magdeburg wird von der Geschäftsleitung in Absprache mit dem Betriebsrat beauftragt, die Fertigungsabläufe zu optimieren. Job-Rotation wird eingeführt, um das Verständnis für die Belange und Erfordernisse der Abteilungen untereinander zu fördern.

Gruppenarbeit soll, nun unter Beteiligung des Betriebsrates, eingeführt werden. Fertigungsgruppen werden nacheinander in Gruppenarbeit, Moderationstechnik, Leistungsbeurteilung und Konfliktbewältigung geschult. 2000 gibt es die erste Pilotgruppe. Heute (März 2006) sind 320 Beschäftigte geschult. In den entsprechenden Abteilungen wird teilautonom in Gruppen gearbeitet. Ein neues gemeinsam getragenes Entlohnungssystem sorgt für mehr Transparenz und Gerechtigkeit.
Die Gruppen führen selbst Qualifizierungsmatrizen. Das sind Tabellen, in denen festgehalten wird, welche Fähigkeiten und Kenntnisse in den verschiedenen Unternehmensbereichen für die jeweiligen Arbeitsaufgaben benötigt werden und wie gut diese Erfordernisse durch die Kollegen in der Gruppe abgedeckt werden. Aus hier festgestelltem Qualifizierungsbedarf leitet sich dann die Planung der Schulungsmaßnahmen ab. Dies und eine altersmäßig gemischte Zusammensetzung der Gruppen sorgt für einen fortschrittlichen Qualifizierungsstand.
Zwei übergeordnete Verbesserungsthemen (Kundenorientierung und Leistungs-/Ergebnisorientierung) stehen über dem gesamten betrieblichen Verbesserungsprozess. Einzelne Verbesserungsgruppen behandeln selbstständig Verbesserungspotenziale und präsentieren die Zwischenberichte monatlich, unter anderen auch dem Betriebsrat. Einwände des Betriebsrates werden ernstgenommen und in die Planungen miteinbezogen. Es wurde eine BV zum Rationalisierungsschutz abgeschlossen.

Vorläufige Ergebnisse

  • Maschinenstillstandszeiten gesenkt
  • Kunden zufriedener
  • Unternehmensklima verbessert
  • Qualifikationsstand verbessert
  • Durchlaufzeiten massiv verkürzt
  • Innere Reibung verringert

Ausblick
2006 ist der Gesundheitsschutz Schwerpunktthema. Ausserdem wird mit der Einführung der Gruppenarbeit fortgefahren. Betriebsrat und Geschäftsführung sind sich bewusst, dass sie sich in einem fortwährenden Prozess notwendiger Optimierungen befinden, den sie am besten gemeinsam bewältigen.

Kontakt:

Achim Gehrke
Tel.: 0211 – 45484 152

 
 



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